Katzenfabel. Vom Ungestörten Gebären.

Doula Geburtsbegleitung Kerstin Rohrer in Augsburg, Friedberg, Gersthofen, Neuburg an der Donau, Ingolstadt, Donauwörth, Nördlingen
Katzen gebären zweimal im Jahr mehrere Babies. In Ruhe, einfach und problemlos. Dafür benötigen sie nur einen ungestörten Ort und ein wenig Ruhe. Vielleicht ein größeren Schuhkarton, kuschelig ausgepolstert, der in einer versteckten, dunklen Ecke steht. Vielleicht in einem Kleiderschrank. Alle, die Katzen kennen, wissen, dass bei einer Katze, die man beim Gebären stört, die Kontraktionen aufhören. Oder es kann sein, dass sie ihre Jungen nicht annimmt.

Und jetzt wagen wir mal ein Gedankenexperiment… 

Wir stellen uns vor, dass vor langer Zeit eine Gruppe von Wissenschaftlern sich vorgenommen hätte, das Gebärverhalten von Katzen zu untersuchen.

Sie hätten angefangen, Katzen beim Gebären zu beobachten. Jedoch natürlich nicht unter den natürlichen Bedingungen, im dunklen Kleiderschrank in der Schuhschachtel. Sondern im hell erleuchteten, lauten, modernen Labor. Sie hätte die Katzen während der Geburt an viele Monitore und Sonden angeschlossen, sie mit fremden Technikern umgeben, die ständig raus und rein gegangen wären, um alles genau zu dokumentieren. 

Wie alle, die Katzen kennen, wahrscheinlich schon vermutet haben, hätte die Studie bedenkliche Ergebnisse geliefert…

Es hätte sich gezeigt, dass Katzen häufig nur schlecht gebären können. Die Geburtsarbeit wäre überwiegend unkoordiniert verlaufen, die Geburten hätten sehr lange gedauert, die Katzen schienen schreckliche Schmerzen zu haben. Manchmal wären die Geburten auch mittendrin abgebrochen. Infolgedessen wären die Herztöne der ungeborenen Kätzchen regelmäßig schlecht gewesen, sie wären deprimiert und gestresst zur Welt gekommen und medizinische Interventionen wären sehr oft notwendig gewesen. 

Die Erkenntnis der Wissenschaftler: Es scheint, dass Katzen nicht gut gebären können.

Lasst uns noch en bisschen weiter darüber nachdenken. Was wäre dann passiert? Was hätten die Wissenschaftler mit ihren Erkenntnissen angefangen?

Die Wissenschaftler hätten wahrscheinlich Maschinen und Geräte erfunden, um den Vorgang des  Gebärens zu verbessern und den Sauerstoffgehalt im Blut der Jungen zu überwachen. Sie hätten Schmerzmittel bereitgestellt, um den Katzen die Geburtsarbeit zu erleichtern. Außerdem Beruhigungsmittel, Wehenmittel und Wehenhemmer. Es wären Notfalloperationen und Eingriffe ausgearbeitet worden, um die ungeborenen Kätzchen zu retten. 

In wissenschaftlichen Arbeiten wäre über die Schwierigkeiten der Katzen beim Gebären berichtet worden und gleichzeitig die hoch entwickelte, neue, effiziente Geburtstechnologie vorgestellt worden. Die Medien hätten diese Erkenntnisse verbreitet und bald hätten alle ihre Katzen zum Gebären ins Labor gebracht. Das musste für Katzen schließlich der sicherste Platz zum gebären sein. Eine Geburt im Schuhkarton? Was für eine gefährliche Idee!

Irgendwann wäre die erste Generation der Wissenschaftler in den Ruhestand gegangen. Und die zweite, dann die dritte, vierte Generation, nicht nur die der Techniker, sondern auch die der Katzenfreunde, hätte von Geburten im Schuhkarton immer weniger gewusst. Das alte Wissen darum, was Katzen zum Gebären eigentlich brauchen, wäre mit jeder Generation mehr und mehr verloren gegangen…

Alle wären irgendwann absolut überzeugt gewesen, dass Katzen ohne die Hilfe von viel Technologie nicht gebären können. Sie hätten an die vielen wissenschaftlichen Ergebnisse gedacht, die sie in den letzten Jahren gesammelt hatten und wären äußerst zufrieden gewesen. Mit sich selbst, ihrer klugen und guten Arbeit, dem Fortschritt und den vielen Katzen und Jungen, die sie gerettet haben…

(Text von Kerstin Rohrer, nach der Katzenfabel von Magdalene Weiß, deutsche Hebamme und ehemalige Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes)

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