Geburt ohne Schmerzen?

IFotor_15364122871755m Film gebären Frauen ihre Kinder oft unter herzzereißendem Schreien, der ganzeKörper verkrampft, das Gesicht schmerzverzerrt. Mütter berichten sich gegenseitig von unvorstellbaren Schmerzen, von schweren Geburtsverletzungen und manch eine sagt sogar, „dass sie das kein zweites Mal braucht“.

Und dann sind da diese Frauen, die lächelnd von ihren schmerzarmen oder gar schmerzfreien Geburten erzählen. Die ihre Kinder nicht auf die Welt pressen, sondern „nach unten atmen“ oder sanft auf die Welt schieben.

Die Wahrheit liegt für die meisten Frauen wohl irgendwo dazwischen. Jedoch macht es durchaus Sinn, sich als Schwangere die Frage zu stellen, ob es nicht vielleicht Möglichkeiten gibt, die einer Geburt den Schmerz nehmen können. Oder ihn zumindest abmildern. Was braucht es dafür? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein. Und wer kann dabei helfen, das zu erreichen.

Bitte bedenke: Wir sind alle unterschiedlich und haben ganz individuelle Vorstellungen von unserer Welt. Was für die eine Frau wunderbar passt, ist für die andere vielleicht viel zu esoterisch. Ich habe hier ganz viele Ansätze gesammelt. Sieh‘ es als eine Art Buffet an – Du suchst Dir einfach aus, was Du am liebsten magst.

Körperliche Entspannung

Schmerz entsteht durch Widerstand, durch Anspannung und Verkrampfen. Deshalb ist es so wichtig, dass Du Dich unter der Geburt entspannen kannst.

Massage
Wehen fühlen sich nicht immer gleich an, deshalb gibt es auch keine allgemeingültige Regel für eine Massage unter der Geburt. Jede Frau nimmt die Wehen mitunter bei jeder Geburt anders war. Die Wehen können im Bereich der Gebärmutter spürbar sein oder auch im unteren Rücken. Sie äußern sich durch ein Ziehen, Drücken, Brennen oder Krampfen. Viele Frauen genießen Berührungen und Massagen wenigstens zeitweise unter der Geburt. Manchmal hilft Wärme – etwa die Massage mit einem warmen Kirschkernkissen am Kreuzbein. Manchen tut sanftes Schaukeln mit dem Rebozo-Tuch besonders gut. Oder es ist beides im Wechsel angenehm. Die Massage kann Deine Hebamme, Dein Partner oder Deine Doula übernehmen. Wichtig ist, dass Du immer sofort sagst, wenn Dir eine Berührung unangenehm ist. Das kann sich auch ganz schnell ändern – was vor fünf Minuten perfekt war, kann plötzlich komplett unerwünscht sein.

Fotor_15364125119049Bewegung
Viele Frauen kommen in Bewegung besser mit den Wehen klar. Umhergehen oder sanft mit der Hüfte kreisen, tut vielen Frauen gut. Die Bewegungen fließen oft ganz automatisch, wenn die Gebärende die Möglichkeit hat, sich frei zu bewegen. Während der Wehe kannst Du Dich je nachdem, was der Geburtsort hergibt, aufstützen (auf dem Partner / auf der Doula, auf einer hohen Fensterbank, auf dem Wickeltisch, auf einer Kommode, auf der Waschmaschine, auf dem Kreißbett etc…) oder Dich an etwas festhalten und Dich so „fallen lassen“ (gehalten vom Partner / der Doula, an einem (Trage-)Tuch, an einer stabilen Handtuchstange im Bad etc.). Auch ein Gymnastikball wird häufig als angenehm zum Hüftkreisen und in Bewegung bleiben empfunden, wenn die Kräfte fürs umhergehen gerade nicht ausreichen.

Fotor_15364127236960Entspannungsbad
Viele Frauen können sich in der Badewanne im warmen Wasser gut entspannen. Ätherische Öle als Badezusatz können den Effekt noch verstärken. Im Krankenhaus musst Du vielleicht ausdrücklich um ein Entspannungsbad bitten. Bei einer Hausgeburt ist es im Geburtspool oder in der „Regentonne“ meist noch angenehmer als in der Badewanne, weil der Körper viel besser mit Wasser bedeckt ist.

Wehen veratmen
Das Atmen ist unter der Geburt ein Schlüssel zu Deinem Wohlbefinden und außerdem auch wichtig für Dein Baby. Wenn Du flach atmest oder hyperventilierst, seid Ihr beide nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Deinen ersten Wehen kannst Du zum Beispiel mit einer langen, tiefen Bauchatmung begegnen. Du entspannst Dich dabei effektiv und Dein Baby bekommt gleich noch eine Extra-Portion Sauerstoff. Werden die Wellen intensiver, kannst Du ganz bewusst in die Anspannung, in die Kontraktion der Gebärmutter atmen. Du kannst auch den Schmerz kraftvoll aus Deinem Körper herausatmen. Wichtig ist bei allen Atemtechniken, dass die Betonung auf dem Ausatem und nicht auf dem Einatem liegt.

Tönen
Je weiter die Geburt fortschreitet, desto eher wirst Du vielleicht das Bedürfnis haben „lauter zu werden“. Dabei geht es nicht um Schmerzensschreie, sondern um einen begleitenden Ton beim Ausatmen. Es beginnt vielleicht mit einem Seufzen und geht in ein Stöhnen über oder wenn Du nicht so gut aus Dir herausgehen kannst, hilft auch ein bewusstes Ausatmen auf die Laute A, U oder O. Wobei A der Laut ist, der am besten öffnet. Mund und Muttermund haben Bezug zueinander. Wenn Du die Lippen fest aufeinander gepresst hältst und die Zähne zusammen beißt, öffnet sich Dein Muttermund schwerer.

 

Mentale Entspannung

Fotor_153641281969270Wenn Du Dich sicher fühlst und frei von Ängsten bist, hat Dein Geist die Möglichkeit, die Schmerzen nicht als potenziell gefährlich einzustufen. Denn Schmerz entsteht auch zu einem gewissen Teil im Kopf über die Bewertung der körperlichen Empfindung. Wenn Dein Geist entspannt ist, kannst Du die Kontraktionen als Wellen annehmen und Dich ihnen hingeben. Im Idealfall begrüßt Du jede Welle und durchlebst sie als eine gewisse Anstrengung, die Du jedoch nicht negativ bewertest. Vergiss nicht, dass Dich jede einzelne Wehe dem großen Moment der Geburt und damit der ersten Begegnung mit Deinem Baby auf dieser Welt ein Stückchen näher bringt.

Ruhe
Je mehr Ruhe Du hast, desto besser kannst Du Dich auf Dich selbst konzentrieren.  Wenn Du nicht abgelenkt wirst, bleibt Dein Geist ruhig und entspannt. Sorge gut für Dich unter der Geburt. Es ist möglich, dass Dir manches plötzlich zu laut oder zu viel ist. Dann scheu Dich nicht davor, Deinem Wunsch nach Ruhe Ausdruck zu verleihen. Willst Du das nicht selber machen, bitte Deinen Partner für Dich einzustehen. Gerade die Eröffnungsphase ist sehr sensibel und auch störanfällig. Geh in Dich, sprich mit Deinem Baby, sag ihm wie sehr Du Dich freust, dass Du es bald in den Armen halten wirst.

Meditatives Atmen
Der Atem kann Deinen Körper entspannen und versorgt Dich und Dein Baby mit Sauerstoff, aber er kann Dich auch sehr gut mental beruhigen. Setze den Fokus Deiner Aufmerksamkeit auf Deinen Atem und lass‘ den Rest um Dich herum in den Hintergrund treten. Eine Übung, die mir persönlich besonders geholfen hat, habe ich ausführlich hier beschrieben.

Meditationsmusik / Meditations-CDs
(Sanfte) Musik oder auch spezielle, angeleitete Meditationen (Hypnobirthing) können Dir dabei helfen, Dich auf die Geburt einzulassen und den Kopf frei zu bekommen. Am besten hast Du CD und mp3-Player parat. Du kannst dann unter der Geburt entscheiden, ob Du lieber mit Kopfhörern ganz in Dir versinken und Dich ein bisschen zurückziehen willst oder die Musik lieber im Kreißsaal abspielen lassen möchtest.

Fantasiereisen
Wenn Du magst, kann Dein Partner oder Deine Doula Dir eine Fantasiereise vorlesen. Besonders am Anfang der Geburt oder wenn die Wehen nochmal eine kleine Pause machen, kann Dich die Konzentration durchs Zuhören von den Kontraktionen ablenken und dich entspannen. Mögliche innerliche Blockaden können sich so lösen.

Mantra
Eine einfache, aber effektive Übung ist das Mantra-Atmen. Dabei sprichst Du in Gedanken (oder auch flüsternd) beim Ein- und Ausatmen immer abwechselnd die beiden Worte „Lass los“. Einatmen „Lass“ – ausatmen „los“. Durch die Konzentration auf das Mantra beruhigt sich Dein Geist und Du kannst natürlich auch besser loslassen 🙂

Innere Bilder
Innere Bilder können dem Körper bei der Geburtsarbeit helfen. Stell Dir eine Blüte vor, die sich öffnet. Eine Rose vielleicht. Betrachte die Blüte vor Deinem inneren Auge in allen Einzelheiten und male Dir aus, wie die Knospe immer weiter und weiter wird. Die Gedanken daran werden Dir helfen, Dich selbst zu öffnen.

 

(Alternative) Schmerztherapie

Hypnobirthing
Richtig angewendet bietet diese Technik der Selbsthypnose einen sehr vielversprechenden Weg, um eine schmerzarme Geburt zu erleben. In speziellen Geburtsvorbereitungskursen werden Dir und Deinem Partner Atem- und Entspannungstechniken für jede Phase der Geburt vermittelt. Außerdem werden Ängste und Befürchtungen abgebaut und das Vertrauen in die Gebärkraft des eigenen Körpers gestärkt. Für einen ersten Eindruck kannst Du eines der inzwischen zahlreichen Bücher zum Thema lesen. Ich empfehle Dir „HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt“ von Marie F Mongan.

Homöopathie
Viele Hebammen kennen sich gut mit homöopathischen Möglichkeiten der Schmerzlinderung unter der Geburt aus. Frag einfach danach, am besten im Rahmen der vorbereitenden Gespräche. Halte den Wunsch nach alternativen Methoden zur Schmerzlinderung in Deinem Geburtsplan fest.

TENS (Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation)
In Deutschland scheint diese Methode noch recht wenig verbreitet zu sein und bestimmt ist es auch nicht für jede Frau geeignet. Elektroden werden an bestimmten Punkten am Körper befestigt und geben sanfte Stromimpulse. Vereinfacht gesagt, wird dadurch die Weiterleitung von Schmerzimpulsen ans Gehirn unterbrochen. Sprich einfach Deine Hebamme an, ob sie sich mit TENS auskennt.

Schmerzmittel
Wenn Du in einer Klinik gebären möchtest, wirst Du Zugang zu diversen weiteren Möglichkeiten zur (medikamentösen) Schmerzlinderung haben. Informiere Dich bereits vorher ausführlich über PDA & Co. und überlege Dir gut, ob Du möglicherweise darauf zurückgreifen möchtest.

Vielen Dank an meine liebe Freundin und Kollegin Miri, die mir die wundervollen Bilder der Geburt ihres ersten Kindes zur Verfügung gestellt hat. Sie hat in Begleitung ihrer Hebamme und ihrer Doula Franzi zuhause im Wasser geboren. Miri und Franzi, die die Bilder gemacht hat, sind Teil von von den Kleine Wunder Doulas.

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