15 Tipps für ein friedliches Wochenbett

Plötzlich ist alles anders. Gerade noch war da dieser große Bauch und die unbändige Vorfreude und nun liegt dieses kleine Baby in Deinem Arm. Die Geburt ist für die meisten Frauen ein großer Kraftakt. Zumindest jedoch stellt sie die Wöchnerin vor große Herausforderungen. Eine große Wunde in der Gebärmutter und mögliche Geburtsverletzungen wollen in Ruhe abheilen. Die Rückbildung des schwangeren Körpers und eine gewaltige hormonelle Umstellung beginnt. Gleichzeitig kommt der Milchfluss in Gang und will weiter angeregt werden. Die ganze Familienstruktur ändert sich durch das neue Familienmitglied und die Aufgaben, die es mitbringt. All das gelingt am besten, wenn Du Ruhe hast und Dich nur auf das Wesentliche konzentrieren musst. Hier habe ich 15 Tipps für Dich zusammengetragen, die Dir dabei helfen können, das Wochenbett friedlich und erholsam zu gestalten.

annie-spratt-703451-unsplash

1. Vorbereitung

Um die erste Zeit, wenn das Baby da ist, zu entschleunigen, kannst Du einiges vorbereiten. Markiere alle Anträge so, dass ganz einfach ersichtlich ist, was wann wie ergänzt werden kann. Wenn Du eine Gefriertruhe oder einen Gefrierschrank hast, lohnt es sich einige Dinge vorzukochen. Sorge außerdem rund um den VET für einen gut gefüllten Kühl- und  Vorratsschrank.

2. Liegen

Für die Rückbildung und Heilung Deines Körpers ist es essenziell, dass Du zumindest im frühen Wochenbett in den ersten 10 Tagen so viel wie möglich liegst. Es ist aus der Mode gekommen, das Wochenbett auch wirklich im Bett zu verbringen. Mein erstes Kind wurde auf der Neonatologie versorgt, sodass mir ein echtes Wochenbett verwehrt geblieben ist. Bei meinem zweiten Kind bin ich freiwillig keine zehn Stunden nach der Hausgeburt aufgestanden und zum Alltag übergegangen. Empfehlen kann ich das im Nachhinein überhaupt nicht. Der Beckenboden wird bei der Geburt sehr beansprucht. Es tut ihm gut, wenn Du ihn noch eine ganze Weile schonst. Ein Dammschnitt heilt am besten in der Horizontalen. Außerdem bringt das Liegen im Bett oder auf dem Sofa eine gewissen Entschleunigung mit sich, die sich positiv auf Deinen Gefühls- und Hormonhaushalt auswirken wird. Frauen, die zu früh zu viel machen, laufen Gefahr eine schmerzhafte Brustentzündung zu erleiden, länger als nötig mit dem Babyblues zu tun zu haben oder gar eine Wochenbettdepression zu entwickeln.

3. Hebamme

Ich höre immer wieder, dass Frauen glauben, sie brauchen eigentlich gar keine Nachsorgehebamme (mehr). Gerade wenn es nicht das erste Kind ist. Ich würde mir an Deiner Stelle trotzdem auf jeden Fall eine suchen. Sie kann Dir bei allen gesundheitlichen Fragen helfen, die plötzlich auftreten, ohne dass Du direkt einen Arzt konsultieren musst. Egal, ob es um Deine Brust, den Wochenfluss oder den Nabel vom Baby geht. Wenn Du magst, überwacht sie außerdem die Rückbildung Deiner Gebärmutter, hilft bei möglichen Schwierigkeiten beim Stillen und hat immer ein offenes Ohr für Deine Sorgen. Hier findest Du die Hebammenliste für den Bereich Donau-Ries.

4. Kuscheln

Nimm Dir viel Zeit, um mit Deinem Baby zu kuscheln. Am besten ganz entspannt, Haut an Haut im kuscheligen Bett. Dabei wird die Ausschüttung von Oxytocin angeregt. Das „Kuschelhormon“ ist essenziell für die Bindung und zusammen mit Prolaktin außerdem sehr wichtig für alle Abläufe im Körper rund ums Stillen.

5. Babyheilbad

Sollte die Geburt nicht so verlaufen sein wie Du Dir das für Dich und Dein Baby gewünscht hast, kann ein Babyheilbad Euch über diese Enttäuschung hinweghelfen. Bei diesem Ritual kommt Ihr Euch sehr nahe und könnt zum Beispiel nach einer Kaiserschnitt-Geburt auch das erste Bonding nachholen. Mehr dazu findest Du hier.

6. Stillen

Meistens spielt sich die Stillbeziehung innerhalb der ersten Tage gut ein. Mit einer guten Technik und ein paar Tricks sind überbeanspruchte oder wunde Brustwarzen oft nur kurz Thema. Bei sehr vielen Problemen rund ums Stillen kann Deine Hebamme Dir sicherlich wunderbar helfen. Sollten die Probleme tiefgreifender sein, gibt es speziell ausgebildete Stillberaterinnen, die ganz individuell Deine Situation betrachten. Eine Stillberaterin findest Du zum Beispiel hierhier oder hier.

7. Besuch

Empfange so viel oder wenig Besuch wie es Dir gut tut. Hör auf Dein Bauchgefühl. Vielleicht zählst Du zu den Frauen, die erstmal gar niemanden sehen wollen, die ihr Baby erstmal ganz für sich alleine haben wollen. Dann steh dafür ein. Als Kompromiss kannst Du eine Sammeleinladung zum „Baby begrüßen“ aussprechen: Dafür setzt Du ein Zeitfenster von 1-2 Stunden an und lädst alle ein, die es nicht erwarten können, Dein Kind zu sehen. Dafür braucht es keine große Bewirtung, vielleicht ein Glas (antialkoholischem) Sekt zum Anstoßen.

8. Babyblues

Sei nicht überrascht, wenn am Himmel plötzlich dunkle Wolken aufziehen. Vielleicht bist Du plötzlich so, so, so traurig. Oder Du weinst bei jeder Gelegenheit, bei jeder Kleinigkeit, ohne eigentlich zu wissen warum. Um den Babyblues zu überwinden, der zwischen Tag 2 und 5 nach der Geburt auftreten kann, ist es am besten, wenn Du Dich nur um Dich und das Baby kümmern musst. Wenn Du auf niemanden zusätzlich Rücksicht nehmen musst. Lass die Gefühle zu und wehr Dich nicht. Es geht vorbei. Und zwar normalerweise so schnell wie es gekommen ist. Wenn nicht, sprich bitte Deine Hebamme oder Deine Doula darauf an. Ansonsten findest Du auch Hilfe bei Schatten & Licht e.V. 

9. „Fette Henne“

Die „Fette Henne“ ist eine wertvolle Tradition von früher, die ein Revival wirklich verdient hat. Dabei stellen Freunde, Nachbarn und Familie einfach frisch zubereitetes Essen vor die Türe oder geben es kurz und ohne viele Worte ab. Wichtig ist, dass allen dabei klar ist, dass keine Einladung ins Haus erwartet wird. Das stellt eine große Entlastung für die frisch gebackene Familie dar, weil die Zeit fürs Kochen und im Idealfall auch für größere Einkäufe eingespart wird. Gerade wenn das Neugeborene nicht das erste Kind ist und Geschwisterkinder versorgt werden wollen, ist dieser Brauch eine schöne Idee. Vielleicht magst Du ja eine gute Freundin bitten, Dir im Wochenbett eine „Fette Henne“ zu organisieren.

10. Trinken

Trinkst Du genug? Damit Dein Körper das in der Schwangerschaft eingelagerte Wasser schnell und einfach wieder aus dem System spülen kann, ist es hilfreich, wenn Du viel trinkst. Außerdem macht Stillen in der Regel durstig. Vielleicht magst Du Dir angewöhnen, dass Du immer ein Glas oder eine Flasche in Reichweite hast, wenn Du Dein Baby anlegst. Wie immer gilt natürlich, am besten für Deinen Körper ist Wasser. Stilles Wasser hat übrigens das Potenzial, den Körper gleichzeitig auch noch zu entgiften.

11. Schlaf

Schlaf, wenn Dein Baby schläft. Wann immer Wöchnerinnen mir von Problemen mit Übermüdung berichten, haben sie sich nicht an diesen wirklich gut gemeinten und sehr wichtigen Rat gehalten. Es ist zu verlockend, endlich mal in Ruhe zu duschen, wenn das Baby schläft oder schnell mal ein paar Dinge aufräumen, einfach mal wieder für sich sein. Aber unter Umständen rächt sich das dann, wenn das Baby nachts noch nicht so gut schläft…

12. Entspannung

Nutze jede Möglichkeit, um Dich zu entspannen. Durch die Hormonumstellung oder wenig Schlaf bist Du vielleicht leicht reizbar oder die neue Situation überfordert dich manchmal. Lass Dich von Deinem Mann, einer Freundin oder Deiner Doula massieren, mach Yoga-Übungen oder nutze die Kraft der Meditation, um Dich zu zentrieren. Schöne geführte Meditationen findest Du hier auf YouTube bei Mojo Di oder bei Laura Malina Seiler.

13.  Hilfe annehmen

Bist Du auch ein wenig perfektionistisch veranlagt und willst zu denen gehören, die im Wochenbett vermeintlich alles alleine schaffen und trotzdem superglücklich, ausgeschlafen und immer gut gelaunt sind? Wir haben hohe Ansprüche an uns und sind es nicht mehr gewohnt, Hilfe anzunehmen. Und oft ist es uns wichtig, dass andere uns für unsere Leistungen und Anstrengungen bewundern. Das Wochenbett ist eine gute Gelegenheit, um einige Einstellungen und Gewohnheiten zu überdenken und Dich neu auszurichten. Hilfe bekommen und vor allem annehmen können, Entlastung erfahren, das tut so gut! Gönne Dir diesen Luxus und sei es Dir wert, Dir so Freiräume zu schaffen, um Dich auf die jetzt wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Bestimmt hast auch Du eine Freundin, eine Nachbarin, Deine Mama oder Schwester, die Dir gerne einige Dinge abnehmen würden und Dich im Wochenbett ein bisschen umsorgen. Vielleicht hat auch Dein Mann Urlaub oder nimmt Elternzeit. Du hast außerdem das Recht auf eine Haushaltshilfe nach der Geburt. Sie kann sich um Geschwisterkinder und den Haushalt kümmern. Dazu sprichst Du Deine Krankenkasse am besten schon in der Schwangerschaft an. Auch eine Wochenbett-Doula kann Dir eine liebevolle und hilfreiche Begleitung sein, die Dich psychisch und physisch unterstützt bis Du wieder komplett im Alltag angekommen bist. Im Gegensatz zur Haushaltshilfe hat sie noch ein bisschen mehr Möglichkeiten, sich mit Gesprächen, Massagen und Entspannungstechniken auch um Dein persönliches Wohlbefinden zu kümmern. Du könntest Dir diese Begleitung ja zum Beispiel anstatt Windeltorte und Co. zur Geburt wünschen. Wenn Du in meiner Nähe wohnst (Nördlingen, Donauwörth, Rain, Augsburg, Friedberg…) interessiert Dich vielleicht mein Angebot dazu.

14. Geschwister

Weil Mama und Baby zunächst naturgemäß viel Zeit miteinander verbringen, kann das eine Chance für die Beziehung von Papa und Geschwisterkind(ern) sein. Papa macht vielleicht alles ein bisschen anders, aber das muss deshalb ja nicht bedeuten, dass es schlechter ist. (Falls Du damit Probleme hast, entspann Dich unbedingt und lass ihn machen.) Achte am besten darauf, jedem Deiner Kinder (exklusive) Zeit mit Dir zu schenken. Auch Rituale wie Geschichten erzählen oder vorlesen beim Stillen helfen, ein neues Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, selbst wenn das Baby dabei ist. Manche Kinder werden auch sehr gerne in die Pflege des Babys mit einbezogen. Auch wenn anfangs in den allermeisten Fällen keine Probleme unter den Geschwistern auftreten, empfehle ich gerne den passenden Artikel vom wundervoll hilfreichen Blog „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“. Ich finde, es schadet nicht zu wissen, was großer Bruder oder große Schwester werden für kleine Kinder bedeuten kann…

15. Closing-Ritual

Wenn das Wochenbett nach acht Wochen dann zu Ende geht, erlebt die Mutter erneut eine Übergangsphase. Der Alltag hat vielleicht längst wieder begonnen, das Baby ist gar nicht mehr so klein wie noch vor so kurzer Zeit. Manchmal trauern Frauen der glücklichen und vielleicht unbekümmerten Schwangerschaft nach, vor allem, wenn das Baby seine Mutter mit seinen Bedürfnissen sehr fordert.  In dieser Zeit kann die sogenannte Closing / Sealing  Zeremonie gestaltet werden. Es hilft der Mutter loszulassen, mit Schwangerschaft und der Geburt abzuschließen und es erleichtert den Beginn der neuen Lebensphase. Im Zentrum steht eine spezielle, sehr angenehme und ruhige „Massage“ mit dem Rebozo. Manchmal ist dieses Erlebnis sehr emotional und befreiend. Gerne kann ich dieses Ritual für Dich und mit Dir machen. Mehr dazu findest Du hier. Du kannst Dir dafür auch einfach einen Gutschein zur Geburt wünschen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s