Doula für beide

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Manchmal treffe ich auf Frauen, deren Partner erst einmal gegen die Geburtsbegleitung durch eine Doula sind. Für die Frauen ist es oft sehr schwer, ihrem Mann oder Freund zu erklären, warum sie sich zusätzlichen Beistand wünschen. Den Männern leuchtet meistens einfach nicht ein, warum ihre Partnerin unbedingt „nochmal jemanden“ dabei haben will.

Nicht geklärte Aufgabenverteilung

Aus der Sicht des werdenden Vaters ist die Situation undurchsichtig. Einerseits erzählt die Frau meist von möglichst wenig Interventionen, weniger Personal im Kreißsaal oder vielleicht wünscht sie sich sogar eine außenklinische Geburt zu Hause oder im Geburtshaus. Und dann möchte sie andererseits extra noch eine Person engagieren. Dazu kommt, dass die Aufgaben der Doula sich in den Augen des Mannes mit seinen Aufgaben vermischen und überschneiden. Das schafft Unsicherheit und die führt zur Ablehnung.

Geburt aus Männersicht

Stelle ich mir Geburt aus der Sicht eines Mannes vor, kann das alles schon sehr befremdlich sein. Die Frau macht da etwas durch, das der Mann zumindest körperlich nicht gut nachvollziehen kann. Dann kommt eine Hebamme dazu, wieder eine Frau. Und dann soll nochmal eine (fremde) Frau dabei sein. Damit sind da drei Frauen „gegen“ einen Mann. Der Mann kann sich so durch den Doula-Wunsch ausgegrenzt, ungenügend und zurückgewiesen fühlen. Ich hab dafür vollstes Verständnis.

Reden, reden, reden

Wie so oft hilft in diesem Konflikt darüber zu reden. Je differenzierter die Frau erklären kann, warum sie sich eine Doula wünscht, desto einfacher wird es, die Aufgaben unter der Geburt klar zu verteilen. Und das ist sehr, sehr individuell. Nahezu jedes Szenario der Aufgabenverteilung ist möglich. Vieles hängt auch davon ab, was die Frau bereits (im Kreißsaal / im Krankenhaus / in der Kindheit) erlebt hat. Sobald der Mann verstehen kann, was genau hinter dem Doula-Wunsch steht, wird es ihm überhaupt erst möglich, die abwehrende Haltung aufzugeben. Dann kann er sich auch damit auseinandersetzen, ob eine Vertraute bei der Geburt vielleicht auch für ihn ein Gewinn sein könnte.

Doula für den Vater

Auch wenn man im ersten Moment den Nutzen der Doula-Arbeit erstmal der Frau zuschreiben würde, gibt es doch einige positive Effekte für den werdenden Vater. Zum Beispiel ist die Gebärende irgendwann nicht mehr ansprechbar. Sie konzentriert sich so auf ihre Aufgabe, dass kein Platz mehr für das Außen ist. Ich erlebe oft, dass der Partner dann besonders dankbar ist, jemanden zum reden zu haben. Das muss auch gar nicht viel sein. Aber die Doula ist genau wie der Vater „außen vor“. Sie steht nicht unter dem Einfluss des unglaublichen Hormon-Cocktails. Sie ist ebenfalls angezogen 😉 Sie ist voll da – und nicht in einer Art Trance wie die Partnerin.

Geburt im Dreierteam

Waren während der ersten Eröffnungswehen vielleicht Gebärende und Doula sehr eng miteinander, weil sie zusammen die Wehen veratmeten, so entsteht später manchmal eine Einheit zwischen Vater und Doula. Die Frau taucht immer weiter ab, zurück bleiben die beiden Begleiter. Während der letzten Geburtsphase sind viele Männer ihren Frauen schon wieder sehr nahe. Spätestens wenn das Baby geboren ist, tritt die Doula einen Schritt zurück und Mutter und Vater begegnen sich wieder stark verbunden durch die Geburt des Babies. Natürlich ist es nicht immer so ein Wechselspiel. Jedoch versteht sich die Doula immer als Unterstützung für die ganze Familie und wird immer auch den Blick hin zum werdenden Vater richten und ihn dort abholen, wo er steht.

Weitere positive Aspekte für den Mann können zum Beispiel sein:

  • Bei langen Geburten braucht jeder Mal eine Pause. Ist eine Doula da, weiß der Mann, dass seine Partnerin gut versorgt ist und kann sich besser regenerieren.
  • Die Doula kann Aufgaben übernehmen, die dem Mann schwer fallen (beim Atmen unterstützen, gut zureden, wenn die Frau glaubt nicht mehr zu können) oder sich mit ihm abwechseln, wenn eine Aufgabe sehr kräftezehrend ist (bestimmte Massagetechniken zur Erleichterung des Wehenschmerzes).
  • Bei einer Hausgeburt kann die Doula in unterschiedlichste Rollen schlüpfen und so beispielsweise auch mehr Freiraum für den Mann schaffen, der sonst auch viel mit „Organisatorischem“ befasst wäre.
  • Im geburtshilflichem Notfall hilft die Doula auch dem werdenden Vater, Ruhe zu bewahren. Sollte eine traumatische Situation entstehen, ist er nicht alleine.
  • Weil seine Frau sich stark und gut vorbereitet fühlt, wird auch der Mann mit einem guten Gefühl in die Geburt gehen.
  • Manchmal kann oder will der Mann seine Frau nicht zum Geburtsvorbereitungskurs begleiten. Einige Doulas bieten individuelle Geburtsvorbereitung an, die dem Mann vielleicht angenehmer ist.
  • Viele Doulas begleiten auch im Wochenbett, was den Partner entlasten kann, wenn er beruflich stark eingebunden ist.
  • Sollte der Mann eine vorangegangene Geburt als traumatisch erlebt haben, wird er den Halt durch eine Vertraute bei der Geburt besonders positiv erleben.

Meine ganz persönliche Erfahrung ist bislang zum Glück sehr positiv. Ich bin über die anfängliche Skepsis nie auf Ablehnung gestoßen und habe mich im Gegenteil mit den Männern meiner Klientinnen immer richtig gut verstanden und eine echt gute Zeit gehabt. Ich habe uns als Dreierteam und mich als Doula für beide erlebt.

Mit meinem Text möchte ich euch Schwangeren ein paar Anregungen geben, um zu erkennen, was es braucht, um eure Männer vielleicht mit ins Boot zu holen. Und euch Männern, die ihr den Text vielleicht von euren Frauen zum lesen bekommen habt, möchte ich aufzeigen, wo auch ihr vielleicht von einer Doula profitieren können ♡

 

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